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Frankfurt a. M. - Der Westpazifische Grauwal, eines der ältesten und
größten Säugetiere der Erde, steht vor der Ausrottung. Zählungen
in der Heimat der Wale vor der Küste der russischen Insel Sachalin
zeigen, dass es nur noch 79 der Meeressäuger gibt. Viele Tiere sind
stark abgemagert. Schuld ist das größte Öl- und Gasförderprojekt
der Welt, das vor Sachalin entsteht. "Der Baulärm macht die Wale
krank", sagt WWF-Walexperte Volker Homes. "Die Chancen, dass wir
im nächsten Frühjahr hier die Fluke eines Walbabys sehen, werden
immer geringer." Der WWF protestiert seit Jahren gegen das Projekt
unter der Leitung von Gasprom, bei dem immer wieder massiv gegen
Umweltauflagen verstoßen wird. Auch die Vorschläge eines von dem
Öl-Konsortium eingesetzten Expertengremiums, das den Schutz der
Wale garantieren sollte, werden ignoriert.
Westpazifische Grauwale leben seit 30 Millionen Jahren in den
Weltmeeren. Die bis zu 14 Meter langen und 35 Tonnen schweren Tiere
fressen sich im kurzen russischen Sommer vor Sachalin Fettreserven
für den harten Winter an. "Jetzt aber kapitulieren immer mehr
Wale vor den Ölkonzernen", sagt Homes. Die WWF-Beobachter vor Ort
schildern, dass man selbst an Land den dumpfen Baulärm für die
Offshore-Anlagen hören und die Vibrationen spüren kann.
Auch im Landesinneren von Sachalin, das so groß ist wie England, hat
das Ölprojekt dramatische Konsequenzen. Für den Bau von
Verladestationen, Terminals und Pipelines werden Wälder gerodet und
Flüsse zerstört. Die Einheimischen, die hauptsächlich vom
Lachsfang leben, kämpfen um ihre Existenzen, weil die Fangquoten
seit Baubeginn um 70 Prozent eingebrochen sind. "Das Naturparadies
Sachalin wird gerade systematisch zerstört", so WWF-Experte
Homes. Auf Sachalin brüten seltene arktische Vogelarten und die
Küste gilt als Kinderstube für Robben.
Im vergangenen Jahr waren noch gut einhundert Grauwale gesichtet
worden. Unter den nun nur noch 79 Tieren sind vermutlich höchstens
zwanzig fortpflanzungsfähige Weibchen. Der WWF fordert die
Betreiber der Förderanlagen Gasprom, Exxon, BP und Shell auf,
endlich alle Umweltauflagen einzuhalten. Mit der russischen
Regierung ist der WWF im Gespräch, um ein Schutzgebiet im Norden
Sachalins zu erreichen. "Die Konzerne fühlen sich sicher, weil
das, was im Russischen Fernen Osten geschieht, kaum die
Öffentlichkeit erreicht", sagt Homes. "Sie feiern lieber, dass
sie vor Sachalin das tiefste Bohrloch der Erde in den Meeresboden
gerammt haben. Für Mensch, Natur und Klima wäre es besser, sie
würden sich mit Hochdruck um alternative Energiegewinnung
kümmern."
Quelle: Der letzte Sommer der Grauwale
WWF Deutschland
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